Die Linkarmut greift immer mehr um sich!

Ich erzähle euch ja wirklich nichts neues, wenn ich behaupte, dass sich die Vielzahl aller Webentwickler an den Richtlinien der Suchmaschine Google orientiert und das die Google Guidelines wohl bereits zur Bibel der aktuellen SEO Generation aufgestiegen sind, doch wenn man das Thema einmal aus einem anderen Blickwinkel betrachtet, dann merkt man erst, welche paradoxe Situation wir durch unser Verhalten herbeirufen…

Ich könnte nun beginnen, euch mit vielen Daten und Fakten zum Thema Internet zu langweilen und ich vermute, dass ein Teil der Leser dann jedoch nicht die Botschaft verstehen würde und daher möchte ich euch eine kleine Geschichte erzählen…

Im Jahre 1510 hatte der lesefreudige englische König ein großes Problem, denn durch die vielen Kriege, die er in den letzten Jahren gegen seine deutlich schwächeren Nachbarn geführte hatte, war der Anzahl der in seinen Bibliotheken gelagerten Bücher so stark gestiegen, dass es ihm nun unmöglich geworden war, den Überblick zu behalten.

So kam es, dass der König all seine Gelehrten am Hofe zusammenrief um dieses Problem zu lösen. Als nach vielen Wochen und ebenso vielen Kelchen Wein keiner der zum Hof gerufenen Männer einen Lösungsvorschlage unterbreiten konnte, machte sich im kleinen Dorfe Oxford ein junger Bauer mit dem Namen Tim Berner-Lee auf den Weg zum König.

Tim hatte in den letzten Wochen über einem System gegrübelt, dass die Probleme des Königs von heute auf morgen lösen konnte und so schlug er vor, in jedem Buch doch eine zusätzliche Textpassage aufzunehmen, in der die Lagerplätze von weiteren Büchern zum gleichen Thema beschrieben wurden.

Wenn der König sich also ein Buch über „Turnierkämpfe“ aus der Bibliothek London übergeben lies, so fand er darin z.B. einen Verweis auf die Bibiliothek von Oxford, in der ebenfalls ein Buch zum Thema „Turnierkämpfe“ lagerte. Der König war begeistert, denn so einfach konnte er noch nie das gelagerte Wissen in seinem Reich abrufen und so kam es dann auch, dass er täglich berittende Boten zwischen den einzelnen Bibilotheken umher schickte.

Nun brauchte es nur noch einen Namen und so nannte Tim die Verweise in den einzelnen Büchern ab sofort Hyperlinks und das vom König geschaffene Botennetzwerk wurde zum World Wide Web. Das Leben am englischen Hofe hätte fortan mehr als sorglos sein können, wenn…ja…wenn da nicht die beiden angesehenen Lords Brin und Page gewesen wären, denn diese waren getrieben vor lauter Mißgunst und so gründeten Sie mit einigen anderen Jüngern eine geheimnisvolle Vereinigung mit dem Namen Google.

Nur wenige Informationen drangen über die Gruppierung nach aussen. Das einzige was man wußte, war das die Googlianer ein erhöhtes Interesse an den Inhalten der Königsbibliotheken hatten und offziell wollte man deren Inhalte lediglich in einem großen Verzeichnis sammeln um sie anschließend dem gemeinem Volke zur Verfügung zu stellen.

Die wahren Absichten der beiden dunklen Lords blieb jedoch sehr lange geheim, denn sie wollten die absolute und uneingeschränkte Kontrolle über die Zunft der Schreiberlinge…also jene vom Volk kaum gewürdigten Gelehrten, die es schafften aus kryptischen Zeichen wie HTML und CSS ein brauchbares und vorallem lesbares Dokument zu schaffen.

Um dieses Ziel zu erreichen, knechteten die Googlianer alle Schreiberline des Königs mit den grausamsten Methoden, die Ihnen zur Verfügung standen. Darunter waren geführchetet Werkzeuge wie Pagerank, Duplicate Content oder auch Bad Neighbarhood. Es dauerte also nicht lange, bis die ersten Schreiberlinge des Königs damit begannen, nur noch wenige oder unvollständige Verweise in den Büchern zu hinterlassen.

In einigen Fällen wurde uns sogar berichtet, dass das die Verweise mit einem „NoFollow“ markiert wurde, dass bedeutet nichts anderes, als das dem königlichen Boten der Tod drohte, wenn er es in Betracht zog dem entsprechenden Verweis zu folgen.

Nach und nach bemerkte nun auch der König, was in seinem Reich vor sich ging, denn fortan erreichten ihn nur noch wenige Boten mit neuem Lesematerial um seinen Wissenshunger zu befriedigen und so muss er immer öfter den dunklen Orden der Googleianer um entsprechende Informationen bitten. Als diese dann aber auch noch eine entsprechende Anzahl von Talern für ihre Leistungen verlangten, begann die Lage zu eskalieren und die der König schickte seine schlausten Advokaten um den Orden zu zerschlagen.

Es war jedoch bereits viel zu spät…die beiden Lords Brin und Page hatten sich bedingt durch die im Reich gesammelten Informationen soviel Macht angeeignet, dass selbst alle Könige dieser Welt sie nicht mehr stoppen konnten…

Wer jedoch glaubt, dass die Anhänger des Google – Ordens auch noch einige hundert Jahre später die Schreiberlinge dieser Welt kontrollierten, der irrt gewaltig…das System begann nämlich bereits wenige Jahre nach der Machtergreifung, sich selber zu zerstören. Der Pagerank – Gott, den Google selbst heraufbeschworen hat, wendete sich nun plötzlich gegen den Orden, weil die Schreiberlinge in ihren Dokumenten kaum noch Verweise hinterlassen haben und das aus Angst vor der Reaktion Matt Cutts und seiner Leuten, die im Auftrag des Ordens die Angst vor der Bedeutungslosigkeit in der Welt schürten.

Aber eben diese Linkarmut war es, die für Google den Stich in Herz bedeutete, denn genau wie der damalige König waren auch die Googleianer von den Hyperlinks abhängig. Genau sie waren es nämlich, die es ermöglichten, den ungeheuren Informationsdurst des Ordens zu stillen und ohne Links musste man die Daten auf immer andere Weise beschaffen.

Werkzeuge wie Sitemap etc. brachten hier nur kurzzeitig Abhilfe, weil die Schreiberlinge schnell erkannten, dass sie nur dazu dienen dem Bösen die Arbeit zu erleichten und so wurde es für Brin und Page von Jahr zu Jahr immer schwerer und teurer an die Daten dieser Welt zu gelangen und somit war der Sturz des einst so mächtigen Ordens der Googleianer bereits vorherzusehen.

Und die Moral von der Geschicht?

Ich persönlich denke, dass wir uns langsam wieder mehr auf den Anfang besinnen sollten und dazu gehört es auch, das man faire Links setzt. Also hört endlich auf mit dem Kommerzialisierung von Startseitenlinks und verlinkt mehr auf andere Seiten. Wovor habt Ihr eigentlich Angst? Das eure Leser vielleicht einen besseren Blog finden und dann nicht mehr bei euch lesen?

Das ist in meinen Augen mehr als Quatsch, denn so lange Ihr ausreichende und gute Informationen bietet, werdet Ihr auch eine entsprechende Anzahl an Stammlesern haben. Außerdem sind Blogger in der Regel sehr faire Menschen…das bedeutet, wenn jemand sieht, dass Ihr viele Verweise auf andere Blogs setzt, werden diese sich ggf. zu einem anderen Zeitpunkt mit einem Link an anderer Stelle erkenntlich zeigen.

Und um zu zeigen, wie man es macht, habe ich hier mal eine Liste mit weiterführenden Artikel zu diesem Thema für euch zusammengestellt.

Es wäre jedenfalls schön, wenn ich mein kleiner Ausflug in die Vergangenheit gefallen hat und Ihr solltet auch nicht zögern einen entsprechenden Pinkback / Trackback auf diesen Beitrag zu setzen, denn schließlich wollen wir nun alle etwas ändern. 😉

Ansonsten sind natürlich auch entsprechende Kommentare willkommen…

18 comments for “Die Linkarmut greift immer mehr um sich!

  1. 11. Juli 2008 at 15:05

    Hallo Sascha,

    ein sehr gelungener Beitrag. Es ist noch nicht so lange her, da ging nichts über Yahoo. Wir sollten unser Möglichtes tun, um in dem Bereich mehr Mitbewerb zu haben. Nur dann werden wird in Zukunft auch gute Suchergebnisse bekommen und uns nicht von einem Riesen vorschreiben lassen müssen, wie de Welt funktioniert. Es gibt ja gute Bespiele wie Firefox, OpenOffice, ..

  2. 11. Juli 2008 at 15:15

    Ola!

    Du sprichst ein wahres Wort gelassen aus. Links und damit die Nähe vertiefender Informationen waren für mich immer der größte Vorteil eines Webdokuments im Vergleich zu einer gedruckten Information. Meine Seiten geizen deshalb nicht mit Verweisen zu Quellen und Beteiligten. Nach meiner Erfahrung honorieren die Besucher das auch.

    No-Follow gibt es bei mir trotzdem. Aber nur für meine eigenen Seiten. Um in deinem Bild zu bleiben – Ich nehm die Googleianer gerne an die Hand und führ sie durch meine Biliothek. Sonst lesen die sich immer in der Schmuddelecke fest und eigentlich will ich ja, dass der König über meine neuen Bücher informiert wird.

    Ach so – Links, die dem Nutzer nur einen begrenzten Mehrwert bieten bzw. Links, die eher der Popularität meiner Seite, als der Informationsvermittlung dienen – also Yigg, Mister Wong und Co. verstecke ich vor den Googleianern bzw. versehe sie mit dem Attribut no-follow. Mein bischen Pagerank verteile ich dann doch lieber an Seiten mit „echten“ Informationen.

    Mit hanfigen Grüßen
    Steffen

  3. 11. Juli 2008 at 16:55

    Deine Story ist putzig geschrieben und viel wahres ist schon dran.

  4. 11. Juli 2008 at 21:37

    Hallo, ja ich bin ebenfalls dafür sich wieder an das eigentliche zu machen und nicht immer nach der Pfeife des Obergurus zu tanzen.
    Zum einem regen sich viele auf „He was soll das? Ich lass mir nichts vorschreiben!“ und dann tanzen alle der deren Töne.

  5. 12. Juli 2008 at 12:02

    Hallo,

    also ich muss schon schreiben: „Hut ab“. Deine Story gefällt mir; spiegelt sie doch viele Aspekte aktueller Verlinkungsproblematiken. Eine Fortsetzung für die Geschichte würde sich bestimmt auch noch finden. Zum Beispiel: …als die Verlinkung der Bücher aus Bibliotheken nicht mehr das gewünschtes Macht-Wachstum einbrachte, erweiterte man das Spektrum um Video- und Kino-Filme… …oder so ähnlich. 😉

    Ich bin mal auf weitere Kommentare gespannt und behalte diesen Beitrag mal im Auge.

    Gruß – Jens

  6. 12. Juli 2008 at 13:18

    Ich mach es seit kurzem so das gute themenrelevante Kommentare mit einem „FOLLOW“ belegt werden. Mal sehen ob es was nützt. Der Rest wird gelöscht.

  7. 12. Juli 2008 at 14:03

    @topfmodel

    Verstehe ich das echt richtig, dass du alle Kommentare, die dir vom Inhalt nicht in den Kram passen, löscht?

  8. 16. Juli 2008 at 18:51

    Nun, ich denke 99% der Blogger ist SEO ziemlich schnurz und sie bloggen einfach so vor sich hin und linken fröhlich durch die Lande. Sofern die SEO-Blogger sich gegenheitig aushungern, weil sie das netz nicht wirklich verstanden haben und darin nur eine Art Goldesel sehen: all the better 😉

    Ach ja: Tim Berner.S.-Lee

  9. 14. Dezember 2008 at 20:02

    Würde ja gerne mehr Links reinknallen, wenn ich wüsste obs beim nächste Update ne PR Ohrfeige spielt?

    Lg

  10. 4. November 2009 at 08:45

    Ausgezeichnete Gestaltung

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