Ein Unternehmen im EU Ausland gründen

In kaum einer Branche dürfte der Konkurrenzdruck wohl so groß sein, wie im Bereich der Internet – Dienstleistungen und die hohen Steuer- und Abgabensätze in Deutschland tun ihr möglichstes um es Startups zunehmend zu erschweren, auf diesem Gebiet dauerhaft Fuß zu fassen.

Was liegt also auf den ersten Blick näher als sein Gewerbe in einem der umliegenden EU Partnerländer anzumelden und so von den dortigen Steuersätzen zu profitieren?

Eigentlich nichts, dachte sich wohl auch Michael und verfasste kürzlich in seinem Blog einen höchst naiven einseitigen Artikel, der wahrscheinlich den vielen jungen Webworkern da draußen, die großen und kleinen Steuerparadiese im EU Umland schmackhaft machen sollte.

Nüchtern betrachtet hört sich das ja auch alles sehr schön und einfach an, man packt seine sieben Sachen in Deutschland, wählt sein Wunschland innerhalb der EU und beginnt nach dem Umzug seine ersten Millionen zu verdienen. Nichts anderes suggerieren uns allen ja schließlich die täglichen Auswanderdokus auf den beiden Sendern VOX und Kabel 1.

Doch ist das alles wirklich so einfach wie viele sagen oder läuft man schnell Gefahr ein Teilnehmer für die neue Dokureihe „Die Rückwanderer“ zu werden?

Ich jedenfalls kann nach fast einem Jahr in Österreich nur jedem empfehlen, sich diesen Schritt sehr sehr genau zu überlegen, denn viele Hindernisse und auch Gesetze werdet ihr erst im Laufe eures Aufenthalts zu spüren bekommen und dann ist es meistens aber auch schon zu spät.

So unterschätzen z.B. noch immer zu viele Auswanderer wie wichtig es gerade bei der Jobsuche ist, die jeweilige Landessprache ausreichend gut zu beherrschen und auch die Unterschiede zwischen den jeweiligen Menthalitäten werden gern mal auf die leichte Schulter genommen.

Gut…jetzt könnte man natürlich Argumentieren, dass u.a. bei uns in Österreich das Sprachproblem nicht wirklich existent ist, da man hier ja zumindest grundlegend den gleichen Wortschatz benutzt wie in Deutschland, doch dafür gibt es gerade für Webworker ganz andere Hürden.

Bei uns im Bereich der Bezirkshauptmannschaft Reutte ist es z.B. so, dass ein neues Gewerbe im Bereich Internet-Dienstleistungen nur dann angemeldet werden kann, wenn zuvor bei der Behörde ein entsprechender Befähigungsnachweis in Form einer abschlossenen Berufsausbildung oder einer gleichwertigen Ausbildung erbracht wird.

Hier kann sich also glücklicherweise nicht gleich jeder „Homepage – Zusammenklicker“ als Webworker selbstständig machen und das ist im Sinne der Qualitätssicherung auch vollkommen richtig. Aber wie gesagt, ich spreche hier lediglich für den Bereich Reutte / Tirol und ob es im restlichen Österreich auch so gehandhabt wird, entzieht sich leider meiner Kenntnis. Ich könnte mir aber gut vorstellen, dass dieses wie in Deutschland generell für alle Bundesländer so geregelt wurde.

Ein weiterer Aspekt, denn man als auswanderlustiger Webworker nicht ausser Acht lassen sollte, ist die jeweilige Infrastruktur meines Wunschlandes, denn was nutz mir die schönste Steuer-Flatrate auf Zypern, wenn ich stattdessen keine DSL Flatrate bekommen kann?

Gerade der Bereich Telekommunikation ist doch für uns Webdesigner mehr als lebenswichtig. Ihr solltet daher vor eurer Auswanderung dringend prüfen, ob finanziell auch mal 2-3 Monate komplett ohne Einkommen überleben könntet, weil es unter Umständen so lange dauern kann, bis Ihr im neuen Land einen Internetanschluß bekommt. Viele Deutsche, die Tag für Tag auf die Telekom schimpfen, wissen nicht einmal zu schätzen, in was für einem Technik-Paradies sie da eigentlich leben.

Ein hochgeschwindigkeits Glasfasernetz ist in vielen EU Ländern noch absolute Zukunftsmusik oder es ist nur in großen Ballungsgebieten im Einzug der jeweiligen Hauptstädte verfügbar. Von daher möchte ich zwar niemanden von einem solchen Schritt abraten, aber ich würde euch empfehlen, das Projekt Unternehmensgründung im Ausland nicht durch die rosarote Brille zu betrachten.

2 comments for “Ein Unternehmen im EU Ausland gründen

  1. Michael
    20. August 2013 at 15:11

    Österreich hat schlimmere Gesetze für Unternehmer als Deutschland, da habe ich aufgehört zu lesen. Der Artikel disqualifiziert sich damit von selbst.

  2. Mandy Sale
    15. Juli 2015 at 09:37

    Ich denke auch, im Ausland eine Firma zu gründen ist nicht einfach. Man sollte nicht zu leichtfertig mit der ganzen Sache umgehen. Genaues informieren ist das A und O. Sonst steht man ganz schnell vor unerwarteten Problemen. Es gibt aber auch Dienstleister, die sich mit dem jeweiligen nationalen Recht auskennen, behilflich sind, für Rat und Tat zur Seite stehen. Wenn man alleine die Mammutaufgabe „Firmengründung im Ausland“ denkt nicht bewerkstelligt zu bekommen, dann vielleicht sich nützliche Tipps holen.

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