Schlechtes HTML ist teuer (zu teuer)

In der Branche wird vielerorts noch immer übersehen, dass auch in Zeiten von vorlagenbasierten Content-Management-Systemen die Wartung von HTML teuer ist. Die Wartung von HTML war schon immer kostspieliger als das Anpassen von Stylesheets und Scripts; aus genau diesem Grund gibt es letztere.

Ausschließen kann man HTML-Änderungen nicht, deshalb ist auch die wirkliche Aufgabe und Herausforderung beim Schreiben von HTML-Dokumenten, die Wahrscheinlichkeit von HTML-Änderungen zu minimieren.

via. Jens Meiert

Habt Ihr euch einmal Gedanken dazu gemacht, wieviel Wahrheit in diesen Worten steckt? Ich schätze mal, dass sich 80% unserer Kunden wahrscheinlich nicht einmal darüber im klaren sind, was Sie pro Jahr allein für die Wartung von schlecht programmierten HTML – Seiten ausgeben.

Doch was unterscheidet eigentlich gute und schlecht programmierte HTML – Seiten? Ist eine Seite, die im W3C Validator keine Fehler mehr auswirft automatisch als gut programmiert einzustufen?

Wohl eher nicht, denn eine solche Seite ist im Zweifel höchstens valide, aber noch lange nicht gut. Es gehört für einen Webentwickler schon etwas mehr dazu, als eine fehlerfreie Seite beim Kunden abzuliefern und leider achten eine Vielzahl der Kunden auf diese Punkte einfach viel zu wenig.

So zeichnet sich eine professionell erstellte Seite zum einen natürlich dadurch aus, dass sie leicht zu warten ist und dieses Ziel erreicht man in der Regel über einen zentral hinterlegten Stylesheet. Formatierungs- und Layoutinformationen haben in dem eigentlichen HTML Dokument nichts zu suchen, denn genau für diesen Anwendungszweck wurde CSS ja ursprünglich eingeführt.

Nur macht es oftmals auch keinen Sinn, alle CSS-Klassen in nur einer Datei zu hinterlegen und so bietet es sich an, einzelne Elemente der Seite, wie z.B. Formulare, Listen etc. auch in gesonderten Stylesheets abzulegen. Genau das sind die wichtigen Vorabeiten, die für uns später den Pflegeaufwand minimieren und dem Kunden viel Geld sparen.

Viele Hobby-Entwickler verfallen auch immer schnell in einen ID– oder Klassenwahn, denn oftmals werden Inhalte oder Bereich über die Klasse bzw. ID im Stylesheet angesprochen:

Mein kleiner Eintrag

.wrap {
    padding:10px;
}

.article {
    font-size:12px;
}

Wesentlich besser wäre es, die Elemente über die HTML Struktur direkt zu greifen, denn zum einen müsste man sich dann nicht ständig neue Klassen-Bezeichnungen einfallen lassen und zum anderen hätte man einige Ressourcen für die Nutzung von JavaScripts gespart, denn viele Bibliotheken, wie z.B. jQuery nutzen heute die ID- oder Klassenbezeichnungen um den einzelnen Elementen zusätzliche Funktionen oder Events zuzuweisen.

Mein kleiner Eintrag

div {
    padding:10px;
}

div p {
    font-size:12px;
}

Ein Beispiel aus der Praxis

Nun mögen viele sicher sagen, dass andere Lösungen auch gut funktionieren und einen zwingenden Handlungsbedarf kann es daher ja nicht geben, aber ich möchte euch mal Anhand eines Beispiel’s genau zeigen, wieviel Geld eine schlecht programmierte Seite ein Unternehmen heute wirklich kosten kann.

Manche unserer Kunden sind bereits seit vielen Jahren mit ihren Onlineauftritten im Netz vertreten und weil diese Kunden sich in der Vergangenheit zu sehr an vielen SEO Mythen orientiert haben und auch vielleicht ein wenig, weil sie einfach falsch beraten wurden, haben sich auf den Servern teilweise über 3.000 statische HTML Seiten angesammelt.

Diese Seiten sind nicht etwa über ein Template– oder CMS System gesteuert, sondern sie wurden alle in vielen Jahren harter Arbeit von Hand und natürlich auch von unterschiedlichen Entwicklern angelegt. Auf de Einsatz von zentralen Stylesheets wurde daher fast vollständig verzichtet.

Nehmen wir für unser Beispiel jetzt einmal an, dass der Kunde lediglich die Schriftgröße etwas ändern möchte, dann würde das bedeuten, dass in dem HTML Dokument sämtliche FONT – Angaben aktualisiert werden müssten. Wenn das jetzt pro Seite lediglich 5 Minuten dauern würde, dann wären das bei 3.000 HTML Seiten bereits 250 Arbeitsstunden!

Bei einem sehr günstigen Stundensatz von nur 79,95 EUR (Netto) würde allein die Änderung der Schriftgröße einen Rechnungsposten von fast 20.000 EUR verursachen.

Im Vergleich dazu, würde die Änderung der Schriftgröße in einem zentral hinterlegten Stylesheet wahrscheinlich nicht einmal mehr als 5 Minuten inkl. Upload der Datei dauern und genau an diesem eindrucksvollem Beispiel kann man gut erkennen, wie wichtig heute eine saubere und gute Programmierung für Unternehmensseiten ist.

Mein Fazit

Ein HTML – Dokument, was oberflächlich fehlerfrei ist, muss noch lange nicht gut programmiert sein und das bedeutet im Umkehrschluss, dass gerade in die Optimierung bestehender Seiten in Zukunft noch sehr viel investiert werden muss. Letztendlich ist es aber unsere Aufgabe als Entwickler, den Kunden über derartige Nachteile und Probleme einer schlecht umgesetzten Seite aufzuklären und das auch, wenn der Kunde in weiten Teilen beratungsresitent ist.

1 comment for “Schlechtes HTML ist teuer (zu teuer)

  1. 15. Februar 2009 at 20:16

    Hübsche Darstellung genau dessen, was das Problem ist. Danke.

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