Zensursula – Wieviel Verantwortung tragen wir?

Nur eine Nacht nach der Entscheidung des Parlamentes, die Internetzugriffe freier deutscher Bürger in Zukunft zu beschränken zu wollen und damit auch den Fundamenten des Grundgesetzes zu rütteln, frage ich mich persönlich immer öfter, ob nicht auch wir selbst eine Verantwortung für diesen rabenschwarzen Tag in der deutschen Geschichte tragen?

Sicherlich waren es unsere Abgeordneten, die wir alle gewählt haben, die am Ende dieses Gesetz beschlossen haben, doch stelle ich mir immer wieder die Frage, warum die Stimmen von mehr als 130.000 Bundesbürgern vollkommen ignoriert wurden? Wieso ist unser Widerstand den ARD Tagesthemen am Abend des 18.06.2009 nicht einmal mehr als eine unbedeutende Randnotiz wert? Stattdessen wirkt die gesamte Berichterstattung in den Medien, als hätten unsere Politiker, die ja eigentlich die Vertreter des Volkes sein sollten, gestern einen ganz großen Wurf gelandet.

Ich kann es euch sagen bzw. ich habe da einige Gedanken, die ich gern mit euch teilen möchte:

Wir, die einige die Generation C64 nennen, haben in diesem Land keine große Lobby, denn wir sind unsere Lobby. Wir leben in unserer eigenen sehr abgeschlossenen Welt, die wir zwar sehr gut kontrollieren und führen können, doch wir schaffen es nicht, unsere Werte nach aussen und somit auch auf die Massen zu übertragen.

Wir sitzen Tag ein und Tag aus vor unseren PC’s oder Notebooks und lamentieren über Begriffe wie Facebook, Twitter oder aber auch das neue iPhone OS 3.0. Wir tauschen uns über private Nachrichten oder Foren auf sozialen Plattformen wie z.B. Xing aus und nennen das dann B2B – Beziehung. Einige von uns gehen sogar soweit und nennen diese Beziehung dann Freundschaft oder virtuelle Freundschaften, was letztendlich für die jenigen die gleiche Bedeutung hat.

Selbst wenn wir uns im realen Leben einmal persönlich gegenüber stehen, dann bleiben wir dabei stets in unserer eigenen Welt und nennen diese Treffen dann Barcamp, BUZZcamp oder wenn es mit entsprechender Aussicht ist, dann kann man es gerne auch mal Almcamp nennen, doch all diese Veranstaltungen haben eines gemeinsam:

Wir bleiben wieder einmal unter uns. Man kennt sich, man schätzt sich und man vernetzt sich untereinander, doch für jemanden ausserhalb unserers Kreises, der sicherlich immer größer wird, ist diese Welt nur schwer zu verstehen. Die Menschen da draussen können vielleicht nicht immer verstehen, warum es der Firefox-Browser sein soll und eben nicht der Internet Explorer 6, den sie schon seit mehr als 10 Jahren auf dem PC haben und der die Internetseiten doch auch anzeigt.

Vielen Menschen können auch an der gestern durchgeführten Abstimmung nichts negatives finden, denn was soll daran so schlecht sein, wenn man den Zugang zu Kinderpornos verhindert? Das wollen wir doch schließlich alle und wieso sollte ich dann gegen ein solches Gesetz sein? Den Menschen ausserhalb unserer Welt ist auch egal, ob mit diesem Gesetz eine Infrastruktur für weitere Zugangsbeschränkungen geschaffen wird, weil dieses Problem sie zu 90% eh niemals treffen wird und weil es für viele einfach nicht greifbar bzw. weltfremd ist.

Wir alle haben uns mal wieder mit den Mitteln gewehrt, die wir zur Verfügung haben und mit denen wir uns auch auskennen. Wir haben abgestimmt, gebloggt, getwittert und Facebook-Gruppen eingerichtet. Doch wofür das alles? Wenn man dieses Beispiel mal auf die Werbung ausrichtet, dann wären wir wahrscheinlich alle gefeuert worden, denn wir haben das gesamte Pulver auf eine Zielgruppe ausgerichtet, die sich der Problematik ja bereits bewußt ist.

Stattdessen hätten wir besser unsere Welt verlassen sollen um die Menschen im Lande aufzuklären, doch wer von uns würde hier seinen Hintern hochbekommen? Protestieren und demonstrieren liegt uns allen im Blut, aber nur wenn es auf die digitalem Wege passiert. Außerhalb unserer sozialen Netzwerke macht sich oftmals schnell eine Antriebslosigkeit breit und die würde ich schon fast als deutsches Problem betiteln, denn viele unserer Nachbarn hätten hier vermutlich ganz anders reagiert um ihr Regierung oder das Volk wachzurütteln.

In Frankreich wären vermutlich gleich dutzende Autobahnen blockiert worden oder aber einige Regierungsgebäude wären direkt in Brand gesteckt worden, was ich hier keineswegs als richtig bezeichne, doch es zeigt wie sehr wir uns in diesen Punkten von anderen Ländern unterscheiden.

Eigentlich sollte nach gestern Abend für jeden Bundesbürger klar sein, dass Parteien wie die CDU/CSU und die SPD für unsere Generation als nicht mehr wählbar gelten dürften, doch wer von euch wird sich in 3 Monaten bei der Bundestagswahl an diesen Artikel erinnern? Wer wird wirklich einmal Konsequenzen aus dem Verhalten unserer Politiker ziehen und wer wird wie immer sein Kreuz einfach bei einer der beiden großen Parteien setzen, weil man es immer so gemacht hat?

5 comments for “Zensursula – Wieviel Verantwortung tragen wir?

  1. 19. Juni 2009 at 10:22

    Hallo Sascha,

    Genau dieses Dilemma, das kaum jemand aus diesem Kreis ausgetreten ist, war den beiden großen Parteien sicher bewusst und das haben sie zugunsten des Wahlkampfes ausgenutzt.

    Ein weiteres Problem sehe ich darin, das die meisten Politiker (oft von falschen Beratern umkreist) in einem Alter sind, indem sie die modernen Technologien (und deren sehr schnellen Entwicklungen) nicht verstehen.

    Bleibt abzuwarten, ob und was eine mögliche Auseinandersetzung bezüglich des Zensur-Gesetzes vor Gericht bringen könnte / würde.

    Freuen wir uns doch jetzt lieber über das neue iPhone und darüber das unser Kreis immer größer wird.

    Gruss
    Kasi

  2. 19. Juni 2009 at 11:01

    Barcamps und Co. stehen meistens jedem offen der kommen mag, es hat jeder die Chance sich zu beteiligen.

    Du sprichst von Antriebslosigkeit? Klar die ist bei einigen durchaus vorhanden, aber der Anteil ist recht klein, wie ich glaube. Vielmehr kann man davon ausgehen, das die Menschen schlicht und einfach keine Zeit haben. Sie sind bereits ausgelastet mit Arbeit, Bürokratie und der Familie. Da bleibt wenig Zeit für Politik, was dem einen oder anderen Politiker sicher ganz recht ist!

    Oder um es anders auszudrücken, wir kennen das Internet, wir wissen wie es funktioniert aber wir sind nur ein kleiner Teil. Ich bezweifle das mehr als 20% der Internetnutzer auch wissen, wie es wirklich funktioniert. Wie die Welt hinter den bunten Klickwüsten aussieht. ;) Und es ist nicht immer einfach, jemandem, den das vielleicht garnicht interessiert, zu erklären wie so etwas wirklich funktioniert. Zumal nicht wenige schon durch Arbeit, Bürokratie und Familie überfordert sind!

  3. 19. Juni 2009 at 11:03

    Sorry vertippt, die 80% sollten 20% heißen. Vielleicht kann es jemand freundlicherweise korrigieren. Danke.

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