Facebook: Ein Mitarbeiter packt aus

Mindestens 20.000 Server, die über 4 Rechenzentren verteilt sind und jedes von den Nutzern hochgeladene Bild in 6 verschiedenen Größen speichern. Das sind Zahlen, die ein anonymer Facebook-Mitarbeiter in einem Interview gegenüber der US-Seite „TheRumpus“ bekanntgegeben hat.

Durch die Anonymität des Mitarbeiters lassen sich die getroffenen Aussagen zwar leider nicht nachprüfen, aber sie wirken insgesamt stimmig und gestatten uns Ansatzweise einen kleinen Blick hinter die Kulissen des weltweit größten und erfolgreisten Social Networks zu werfen.

Für viele nicht neu, aber dafür trotzdem nicht weniger erschreckend dürfte die Tatsache sein, dass Facebook im Bezug auf die Datensammelwut dem Google Imperium eigentlich in nichts nachsteht, denn auch Facebook nicht nur die Informationen seiner Nutzer, sondern auch sämtliche Aktionen auf der eigenen Plattform. Jeder Klick auf ein Nutzerprofil, jede Nachricht und jeder veröffentlichte Link. Auf den Servern von Facebook geht nichts verloren und es wird auch nichts vergessen, denn selbst dann wenn die Nutzer eine Nachricht oder Foto aus Ihrem Profil löschen, bleiben die Daten weiterhin in den internen Systemen des Unternehmes abrufbar.

Mich persönlich stimmt gerade zu nachdenklich, dass der anonyme Mitarbeiter in dem Interview sehr deutlich bestätigt, dass jeder Mitarbeiter von Facebook zu jeder Zeit von jedem beliebigen PC dieser Welt die Konten der angeschlossenen Nutzer nicht nur einsehen, sondern auch manipulieren kann. Zwar kommen derartige Fälle nur extrem selten vor, da die Mitarbeiter regelmäßig kontrolliert werden, aber auch er habe sich schon dabei erwischt, wie er eigentlich nicht öffentlich zugängliche Profil-Informationen in den Konten seiner Freunde abgefragt hat.

Neben diesen brisanten Informationen zum Thema Datensicherheit gewährt uns das Interview jedoch auch einen Einblick in die technischen Aspekte der Plattform und so wundert es den Entwickler in mir nicht, dass sich in den Zeilen eine Bestätigung dafür findet, dass das gesamte System bereits seit Jahren nach dem Trial-and-Error Prinzip gepflegt wurde. Erst seit kurzem führe man einige Studien durch, die z.B. zur Optimierung der Klickraten das Nutzerverhalten genauer analysieren sollen.

Technisch gesehen dürfte Facebook wohl langsam an seine Grenzen stoßen, denn das Unternehmen arbeite derzeit mit Hochdruck an einer komplett neuen Programmiersprache, die den Namen Hyper-PHP tragen soll. Die Umstellung auf die neue Sprache soll die Website dann nicht nur deutlich schneller machen, sondern sie dürfte im Umkehrschluß auch rund 80 Prozent der derzeitigen Rechenleistung einsparen können.

Selbst zu den finanziellen Aspekten finden sich in dem Interview einige interessante Passagen, denn die internationale Expansion von Facebook werde keineswegs überall gleich vorangetrieben. Dem Unternehmen liege viel daran, hauptsächlich Nutzer aus reichen Industrieländern mit einem hohem Anzeigenaufkommen in das Netzwerk zu locken. Viele Ländern in der Dritten Welt bei denen kaum etwas über Anzeigen zu erwirtschaften ist, seien daher natürlich kaum im Fokus der Facebook-Führungsetage zu finden.

Ich möchte an dieser Stelle auch nochmals ausdrücklich darauf hinweisen, dass die im Interview getätigten Angaben natürlich mit einer gewissen Vorsicht zu konsumieren sind, denn dadurch das der Mitarbeiter anonym bleiben wollte, sind die Informationen sehr schwer zu verifizieren. Die Aussagen wirken aber meiner Meinung nach in vielen Punkten durchaus plausibel und die Tatsache das Facebook extrem viele Daten sammelt, ist heute auch kein großes Geheimnis mehr.

Mittlerweile hat sich auch Facebook selbst zu diesem Interview geäußert:

Dieser Artikel enthält genau die Art von Ungenauigkeiten und Fehlinterpretationen, die man erwarten würde, wenn sich etwas auf eine anonyme Quelle bezieht. Wir möchten es einfach hierbei belassen.

1 comment for “Facebook: Ein Mitarbeiter packt aus

  1. 14. Januar 2010 at 14:49

    Ich verstehen die ganze Aufregung nicht, es wird doch niemand gezwungen seine Daten an Facebook weiterzugeben.
    In unseren Shop nehmen wir Datenschutz sehr ernst, doch eine hundetprozentige Sicherheit wird es nie geben, denn auch wir sind schon wieder an einen Provider gebunden. Denn wie die Vergangenheit zeigte, kann man sich selbst bei Banken oder Telefongesellschaften nicht mehr sicher sein…

    Mfg

    Hungi

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