Was ist die richtige Anrede in Social-Networks?

Wenn man Tag für Tag auf den verschiedenen Networking-Plattformen wie Xing oder Facebook unterwegs ist, dann passiert es einem ab und an natürlich auch schon mal, dass man auf eine Kontaktanfrage hin eine Absage bekommt. Nun ist da ja an sich nichts schlimmes dran, denn zum einen setzen viele Nutzer für eine Kontaktaufnahme voraus, dass man sich zumindest auch im Real-Life einmal begegnet ist und zum anderen macht es sicherlich auch Sinn, seine Kontakte etwas zu strukturieren.

Interessant wird die Geschichte jedoch dann, wenn Nutzer beginnen, die persönliche Anrede als eine Art neuen Qualitätsstandard in den Social Networks zu definieren. So habe ich z.B. heute eine E-Mail via. Xing bekommen, in der mir mein Gegenüber mitteilte, dass er mich als Kontakt nicht führen wolle, da er mich 1. aus dem Real-Life nicht kennt (was ja durchaus nachvollziehbar ist) und 2. würde er eine Anrede mit „Sie“ innerhalb einer möglichen Kontaktanfrage als persönliche Beleidigung ansehen.

Gestützt hat dieser Kontakt seine Entscheidung natürlich noch mit der Behauptung, dass jedem Nutzer der sich professionell im Bereich der sozialen Netzwerke bewegt, doch durchaus bewußt sein müsste, dass das „Du“ sich hier als einzig korrekte Anredeform etabliert hat und vermutlich hatte meine förmliche Anrede mit „Sie“ auf ihn derart „unprofessionell“ gewirkt, dass er an einer weiteren Kontaktaufnahme nicht interessiert gewesen ist.

Jetzt gehöre ich nicht zu den Menschen, die sich über derart Mails groß Gedanken machen, aber diese Antwort wirft zumindest die Frage nach der richtigen Anrede in Social-Networks auf. Eine erste kürzlich von Mirko Lange durchgeführte Umfrage zu diesem Thema zeigt nämlich, dass es sehr wohl noch zahlreiche Nutzer gibt, die auch weiterhin in ganz bestimmten Situationen das „Sie“ als Anrede favorisieren.

So gaben nämlich immerhin 35% der befragten Twitter-Nutzer in der Umfrage an, dass sie „Funktionsträger“ in der Regel „siezen“ würden. Bei Privatpersonen nutzt man indes grundsätzlich das persönlichere „Du“ als Anredeform. Leider ist die Auswertung nicht wirklich repräsentativ und so fehlen mir persönlich z.B. auch noch die Angaben zur jeweiligen Alterklasse, aber das Ergebnis zeigt doch, dass die Netzwelt sich in diesem Punkt keineswegs so einig ist, wie der ein oder andere gern glauben möchte.

Ich möchte diese Frage daher gern an euch weiterreichen. Wie sprecht Ihr eure Kontakte in den sozialen Netzwerken an? Greift Ihr generell zum „Du“ oder nutzt Ihr auch schon mal ein förmliches „Sie“?

6 comments for “Was ist die richtige Anrede in Social-Networks?

  1. 16. Januar 2010 at 17:37

    Ich unterscheide da keineswegs zwischen Internet und „realem Leben“. Bin ich geschäftlich unterwegs, benutze ich generell das „Sie“, außer ich habe mit Freunden und Bekannten zu tun, mit denen ich zuvor mich schon geduzt habe. Für das „du“ gelten bei mir die gleichen Regeln im Internet wie im realen Leben. Gleichaltrige und jüngere (Kinder) werden eher geduzt, ältere und Respektpersonen gesiezt, Freunde und Bekannte geduzt. Ich verstehe, daß die Social Networks zum Duzen verleiten, weil man ja keinen direkten, persönlichen Kontakt hat. Nur warum sollen deswegen die Regeln der Höflichkeit, des Respekts und Anstandes nicht mehr gelten? (Antworten interessieren mich wirklich, also keine rhetorische Frage). Übrigens kommt an dieser Stelle oft das Argument, im Englischen wäre mit „you“ immer ein „du“ gemeint. Dem ist nicht so. Englische Muttersprachler unterscheiden sehr wohl durch Satzkonstruktion und bestimmter Wortwahl zwischen „Sie“ und „du“.
    Noch interessanter wird die Frage, wenn die Regeln für „Sie“ und „du“ auch im Internet gehandhabt werden, wer wem dann das „du“ anbietet. Eigentlich müßten hier die selben Regeln wie im „realen Leben“ gelten. Im Grunde ist das Internet durch seine Stellung im Alltag doch reales Leben oder?

    Herzliche Grüße,
    Wenke Richter, Meine Verlag

  2. 17. Januar 2010 at 09:10

    Ich persönlich sehe es eigentlich ähnlich, denn auch mich gehört die förmliche Anrede mit „Sie“ auch in den sozialen Netzwerken zur Höfflichkeit, die man generell an den Tag legen sollte. Leider verfallen viele Werte, die im Real-Life völlig normal sind, in der Netzwelt mehr und mehr.

    Neben der Frage der Anrede kann man dann nämlich auch mal einen Blick auf die Rechtschreibung bzw. Grammatik werden, denn nicht weniger Nutzer halten es in E-Mails für unnötig, Satzzeichen oder ähnliches zu verwenden.

    Ich denke, dass Dienste wie Twitter…aber auch SMS einen großen Beitrag dazu leisten, denn durch die intensive Nutzung versuchen wir immer mehr Informationen in weniger Zeichen zu verpacken. Persönlich denke ich, dass dieses Verhalten über kurz oder lang auch die Gesellschaft massiv verändern wird, denn wenn Kinder sich bereits im Grundschulalter ein solches Verhalten aneignen, dann wird es mit dem Alter nicht besser.

  3. 17. Januar 2010 at 21:57

    Was sich so etabliert hat, ist so eine Sache 😉

    Wer mich in seinem Blog per Du anspricht, der wird von mir auch per Kontaktaufnahme in einem Social Network geduzt.
    Insbesondere bei XING kontakten mich Menschen, mit denen ich schon anderweitig – und das „per Sie“ – in Kontakt war.
    D.h. es ist für mich ganz unterschiedlich, wie ich jemanden in einem SN anrede. Generellt gilt für mich natürlich Höflichkeit und auch ein gewisses Maß an ordentlichem Satzbau 😉
    Neben der Anrede ist für mich aber interessanter, ob Menschen bei einem „Erstkontakt“ auf einem SN (wenn man sich also nicht von woanders her kennt) ein paar „Stichworte“ mitliefern, warum sie Interesse an einem befrienden, Kontaktlistenaufnehmen, etc. haben.

  4. 18. Januar 2010 at 16:28

    Immer Du! Ich twitter ja auch nicht: „Haben Sie Ideen?“ Oder „was meinen Sie“? …

  5. 24. März 2010 at 08:00

    Ich finde, dass man gerade auf geschäftlicher Ebene, Stichwort Neukundenansprache, auf das „Sie“ vertrauen sollte, gerade bei Xing oder Linkedin. Das mag nicht für Netzwerke wie studivz oder wkw gelten, aber im geschäftlichen Bereich, gerade auf einer höheren Leitungsebene, kann man hier schnell seine Karten verspielen.

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